Jagdverband Senftenberg

Mit der Beendigung des 2.Weltkrieges und der Besetzung des ehemaligen Kreises Calau im April 1945 durch sowjetische Truppen endete auf dem jetzigen Territorium, das von der Jagdgemeinschaft des Kreises Oberspreewald- Nord abgedeckt wurde, eine geregelte Jagd. Alle Waffen waren abzugeben, illegaler Waffenbesitz wurde hart bestraft. Weidgenosse Siegfried Berndt beschreibt im „Calauer Heimatkalender 2006 (Herausgeber: Heimatverein Calau e.V.) die jagdliche Situation wie folgt:

In den ersten Jahren nach Kriegsende ruhte die Jagd bei uns weitgehend. Alle Jagdwaffen und Munition waren nach einem Befehl des Alliierten Kontrollrats eingezogen worden. Nur sowjetische Offiziere, die oft die Jagd aus ihrer Heimat kannten, gingen zur Jagd. Dabei ging es hauptsächliche um die Verbesserung ihrer Fleischversorgung. Als Folge der ungenügenden Bejagung nahmen aber besonders die Schwarzwildbestände stark zu. Auch in Gebieten, in denen es vorher kein Schwarzwild gab, wurde es immer heimischer. Natürlich verstärkten sich nun die Schäden in der Landwirtschaft. Besonders für einen einzelnen betroffenen Bauern, der ja damals noch ein Ablieferungssoll zu bringen hatte, konnte das sehr schmerzlich sein. Deshalb wurde bei den Volkspolizeikreisämtern 1948 Polizeijagdkommandos aufgestellt. Neben den Polizisten kamen dazu noch von früher erfahrene Jäger und Forstangestellte, die an den jeweiligen Jagden teilnahmen. In Calau waren das neben dem Kommandoleiter Albert Schmidt der stellvertretende Leiter des Volkspolizeikreisamtes, Enno Thoß, der Kraftfahrer beim Rat des Kreises, Alfred Muschik, sowie die beim Pflanzenschutz des Kreises beschäftigten Gerhard Lehmann und Paul Kamenka. Aus der damaligen Oberförsterei Calau Arthur Hille, sowie die Revierförster Walter Wenske - Cabel, Fritz Bühler - Mlode, Otto Franke - Tornow, Gerhard Röske – Repten, Otto Gundlach – Wüstenhain, Klaus Schiedeck – Buchwäldchen und Siegfried Berndt – Calau.

Für die Jagd standen im Kreis nur sieben Doppelflinten des Kalibers 16 zur Verfügung. Diese wurden in einem gesonderten Waffenschrank des Polizei-Kreisamtes, das damals noch im Calauer Rathaus untergebracht war, aufbewahrt. Zur Jagd wurden sie dann durch den Jagdkommandoleiter der Polizei ausgegeben und nach der Beendigung wieder zur Polizeiwache gebracht und eingeschlossen. Als Jagdmunition für die Schalenwildjagd hatte man nur Flintenlaufgeschosse, nach der gebräuchlichsten Form allgemeiner Brennecke genannt. Damit konnte man aus den glatten Flintenläufen höchstens auf 40 bis 50 Meter einen genauen Schuss abgeben. Anfangs enthielten die Patronen teilweise auch noch Schwarzpulver als Treibladung. Diese entwickelte nach dem Schuss eine starke Rauchwolke. Bei windstillem Wetter musste man diese erstmal beiseite wedeln, um zu sehen, ob der abgegebene Schuss erfolgreich war. Die hauptsächlichste Jagdart war die Stöberjagd mit Hunden. Dazu hielt Albert Schmidt zwei Hunde, die auf die Schwarzwildjagd spezialisiert waren. Mischa und Struppi ähnelten von der Rasse her vielleicht kurzläufigen kleinen Münsterländern, doch Spitz-, Terrier- und Teckelblut kreiste wahrscheinlich auch in ihren Adern. Aufgrund ihrer fast täglichen Jagdpraxis verstanden sie es, das Schwarzwild ein seinem Einstand zu stellen und so lange zu verbellen, bis Albert herangekommen war und oft schon hier ein oder zwei erlegen konnte. Wenn die Wildschweine dann flüchtig die Dickung verließen, konnten sie dann noch von den an den Wechseln angestellten Jägern beschossen werden. Genaue Sicherheitsbestimmungen gab es damals noch nicht.

Da kaum ein Jäger motorisiert war, erfolgte die Anreise nur mit dem Fahrrad. Deshalb war es zur Tradition geworden, nach der Jagd die Lebensgeister je nach der Zeit herrschenden Witterung mit Alkohol in Form von Bier, Schnaps, Grog oder dem damals sehr beliebten Koks wieder aufzufrischen. Dabei wurden dann die Erlebnisse des Jagdtages noch einmal besprochen. War dann dieses Thema erschöpft, so wurde in Erinnerung gekramt und vergangene Jagderlebnisse, meist mit Jägerlatein vermischt, wieder erzählt.

Bei diesen Jagdeinsätzen wurden fast ausschließlich nur Wildschweine erlegt. Das Haupt und der Aufbruch standen dem Schützen zu. Von der Strecke erhielten die Jäger einen Schützenanteil von 50%, der Rest wurde an gesellschaftliche Einrichtungen abgegeben.

Eine Trichinenuntersuchung war gesetzlich vorgeschrieben.

Am 25. November 1953 wurde dann durch die Volkskammer das Gesetz zur Regelung das Jagdwesens angenommen. Durch die 1954 erlassene Durchführungsbestimmungen wurde das Jagdwesen neu geregelt.

Jagdgebiete mit Jagdverantwortlichen entstanden und die Polizeijagdkommandos löste man auf.

Mit dem Jagdgesetz vom 25.11.1953 wurden folgende wichtige Grundsätze formuliert:

  • Das Wild wurde zum Volkseigentum erklärt

  • Wichtigste Aufgaben der Jagd war die Bekämpfung von Raubwild und Reduzierung der Wildbestände als „Schädlinge“ der Landwirtschaft

  • Das „Jagdrecht“ bestand in der Befugnis jagdbaren Tieren nachzustellen und zu erlegen.

  • Verbunden mit dem Jagdrecht wurden die Jäger zur Abschussplanerfüllung, zur Raubzeug- und Raubwildbekämpfung, zur Wildhege und zur Biotopverbesserung verpflichtet. (Wobei die Biotopverbesserung hauptsächlich in organisierten Arbeitsplätzen in der Land- und Forstwirtschaft ihren Ausdruck fand.)

  • Die politischen Belangen wurden der staatlichen Verwaltung, die wirtschaftlichen Belangen den staatlichen Forstwirtschaftsbetrieben zugeordnet. Für die Organisierung der Jagdausübung wurde die vormilitärische Organisation „Gesellschaft für Sport und Technik“ (GST) verantwortlich gemacht.

In den Jahren von 1953 bis 1961 durften nur Jäger sein: „Bürger der DDR, die am Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaates aktiv teilnehmen, ihre Verpflichtungen gegenüber dem Staat vorbildlich und pünktlich erfüllen, stets bereit sind, ihre ganze Kraft für die Erhaltung des Friedens und für die Verteidigung der DDR bedingungslos einzusetzen und das Statut der GST sowie die Richtlinien des Sektion Jagdwesen anerkennen.“ Ausgeschlossen war ein Personenkreis, der noch einen eigenen Betrieb führte, außer selbständige Bauern. Nach dem V. Parteitages der SED wurden auch die Bauern ausgeschlossen, die nicht einer landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaft beitraten.

 

Mit dem Bau der Mauer im August 1961 bekam die GST neue Aufgaben im militärpolitischem Bereich und das Jagdwesen wurde ausgegliedert und den örtlichen Staatsorganen übergeben, wobei die Organisation vor Ort in Form der Jagdgemeinschaften in den zugeteilten Jagdgebieten erhalten blieb.


Jagdgesellschaften des Kreises Calau
(Stand:Oktober 1980)



Anzahl der VE und JG-eigenen Waffen
Name Fläche (ha) Mitgliederzahl Kugelwaffen Doppelflinten KK-Büchsen
Summe
168 27 37 5
Altdöbern 10.521 34 5 7 1
Buckow 9.152 25 4 6 1
Calau 9.861 45 10 6 1
Lübbenau 9.242 37 4 11 1
Settinchen ca. 10.000 27 4 7 1

Ab 1962 wurden der Einfluss der Partei konsequent verstärkt, sodass im Interesse der so genannten „Sozialpolitischen Zusammensetzung“ Voraussetzung für ein neues Kollektivmitglied was, -Mitglied der SED, Kollektivbauer, Arbeiter oder Mitglied von staatlichen Sicherheitsorganen zu sein. Es reichte z.B. Nicht „Genosse“ + Lehrer oder „Genosse“ + Angestellter eines VE-Betriebes zu sein!

Da man die älteren erfahrenen Jäger, die schon vor 1961 Mitglieder der Jagdkollektive waren nicht ohne Grund entlassen konnte, sie hatten alle zum Teil verantwortliche Funktionen in der Volkseigenen Wirtschaft oder im Staatsapparat, trat ungewollt eine Überalterung im Personalbestand ein.

Trotz des massiven Drucks konnte die erwünschte „sozialistische Zusammensetzung“ nicht erreicht werden:

Sozialpolitische Zusammensetzung der Mitglieder der Jagdgemeinschaften (JG)
des Kreises Calau im Jahre 1980

 

JG Mitglieder-
zahl
dar. Arbeit Gen.-Bauern SED-Mitglieder Blockparteien oder
parteilos
Pers. % Pers. % Pers. % Pers. %
Summe 168 57 28,0 25 14,9 100 59,5 68 40,5
Altdöbern 34 15 44,1 7 20,6 15 44,1 19 55,9
Buckow 25 6 24,0 5 20,0 17 68,0 8 32,0
Calau 45 14 31,1 8 17,8 28 62,2 17 37,8
Lübbenau 37 15 40,5 4 10,8 22 59,5 15 40,5
Settinchen 27 7 25,9 1 3,7 18 66,7 9 33,3

Die Führungskraft der SED wurde generell damit demonstriert, dass eine Stunde vor jeder Versammlung die „Genossen“ tagten, ihre Festlegungen wurden dann in der Volksversammlung den übrigen Weidgenossen zur Beschlussfassung vorgelegt.

Die gesellschaftspolitischen Aktivitäten der Mitglieder der Jagdgesellschaften erfolgte nach folgenden Kriterien:

Mitarbeiter bei

  • Kampfgruppen der Arbeiterklasse oder

  • Einheiten der Zivilverteidigung oder

  • als Helfer der Volkspolizei oder

  • als Ausbilder bei der Gesellschaft für Sport und Technik oder

  • Reservistenkollektiven oder

  • der freiwilligen Feuerwehr.

Von allen Weidgenossen wurde die Mitgliedschaft in der Gesellschaft der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft verlangt und die ständige Spende für die sog. „Internationale Solidarität für die um ihre Freiheit ringenden Völker“ erwartet.

Der Jagdbeirat des Kreises hatte die Jagdgesellschaften anzuleiten und arbeitete in Arbeitsgruppen. Diese waren zuständig für die

  • Gestaltung des Wettbewerbs

  • die Wildbewirtschaftung

  • das Jagdhundewesen

  • Schulung und Ausbildung

  • Ordnung und Sicherheit

  • Finanzen

  • Naturschutz

Die einzelnen Jagdgesellschaften gliederten sich jeweils in Jagdgemeinschaften auf mit einem „Staatlichen Jagdbeauftragten“, der für die Ausgabe der Waffen und für die Abrechnung der jagdlichen und gesellschaftspolitischen Aufgaben gegenüber des Jagdgesellschaft zuständig war. Der Wildschaden wurde vom staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb ersetzt.

Da das erlegte Wild generell auch von diesem Betrieb eingerichteten Annahmestellen erfasst wurde, bestand eine gute Kontrolle zum Abschuss. Fehlabschüsse wurden streng geahndet, wobei gleichzeitig das Strafmaß variiert werden konnte. Davon wurde natürlich von den „Genossen“ zu ihren Gunsten reichlich Gebrauch gemacht.

Die Jagdgemeinschaften haben ihr Territorium wiederum in Hegebezirke aufgeteilt, für die ein bis zwei Kollektivjäger zuständig waren.

Die Pirsch- und Ansitzjagd spielte sich hauptsächlich im Hegebezirk ab. Beim Einsatz auf Wildschadensbedrohten Flächen war natürlich die gesamte Jagdgemeinschaft verantwortlich.

Wer sich mit den staatlich verordneten Auflagen einigermaßen arrangieren konnte, hatte die Möglichkeit ohne finanzielles Risiko der Jagd nachzugehen. Ein hoher Abschuss wurde sogar noch honoriert, da dem Schützen ein bestimmter Anteil vom Wildbreterlös zustand, der in Geld oder in Wildbret ausgereicht wurde. Die Schützenanteile betrugen für Schwarzwild 30%, für übriges Schalenwild 20% und für Niederwild 50%. Da in der Wirtschaft wiederum die Mitgliedschaft in einer Jagdgesellschaft als „gesellschaftliche Tätigkeit“ anerkannt wurde, bestand sogar ein Anspruch auf bezahlter Freistellung von der Arbeit bei dringenden Aufgaben in der Jagdgesellschaft.